Monographien

Genre und Gemeinsinn: Hollywood zwischen Krieg und Demokratie.
Berlin/Boston: De Gruyter, 2016

Das vorliegende Buch präsentiert eine Affekttheorie des Genrekinos, die das Verhältnis von Politik und Poetik im Begriff des Gemeinsinns neu figuriert. Ausgehend von der These, dass das ‚Gefühl für das Gemeinschaftliche‘ einer Gesellschaft abhängig ist von medialen Praktiken politischer Vergemeinschaftung, wird der Kriegseinsatz Hollywoods im Zweiten Weltkrieg untersucht. Im Ergebnis entsteht ein neues Genre, das auf die Krise der Demokratie während des Zweiten Weltkrieges reagiert. Im Zentrum dieses Genres stehen weder die Kriegsereignisse in ihrer Faktizität, noch die Kriegshelden und ihre Heldentaten; im Zentrum steht vielmehr das Leiden des einzelnen Soldaten. In den medialen Re-inszenierungen dieses Leidens über die wechselnden Kriegseinsätze hinweg verbindet sich das Pathos des Opfers und der erinnernden Trauer mit dem Zorn moralischer Empörung über eine Gesellschaft, die ihren politischen Zweck aufgegeben hat: Das Streben nach Glück des Einzelnen vor jeder Willkür zu schützen. Die Rekonstruktion dieser Re-inszenierungen führt zu einer Revision der Genretheorie, die das Schema taxonomischer Regelzuschreibungen radikal verabschiedet. Die vielfältigen Verzweigungen des Genrekinos werden selbst als ein Netzwerk verständlich, das in den immer neuen Perspektivierungen einzelner Filme entsteht und Geschichte als ein permanentes Ringen um ein ‚Gefühl für das Gemeinschaftliche‘, um den Gemeinsinn erfahrbar werden lässt.

The Politics and Poetics of Cinematic Realism.
New York: Columbia University Press, 2015

The author casts the evolution of cinema as an ongoing struggle to relate audiences to their historical moment. Appreciating cinema's unique ability to bind concrete living conditions to individual experience (which existing political institutions cannot), he reads films by Sergei Eisenstein and Pedro Almodóvar, by the New Objectivity and the New Hollywood, to demonstrate how cinema situates spectators within society. 

The author applies the Deleuzean practice of "thinking in images" to his analysis of films and incorporates the approaches of Jacques Rancière and Richard Rorty, who see politics in the permanent reconfiguration of poetic forms. This enables him to conceptualize film as a medium that continually renews the audiovisual spaces and temporalities through which audiences confront reality. Revitalizing the reading of films by Visconti, Fassbinder, Kubrick, Friedkin, and others, Kappelhoff affirms cinema's historical significance while discovering its engagement with politics as a realm of experience.

 

"A major work of critical writing on film, and one that moves the intellectual discourse about film, politics, and the aesthetic movements and projects of the twentieth century forward by several steps."

(Robert Burgoyne, author of Film Nation: Hollywood Looks at US History (2010) and The Hollywood Historical Film (2008).)

Realismus. Das Kino und die Politik des Ästhetischen.
Verlag Vorwerk 8, Berlin 2008

Seit den Avantgarden der zwanziger Jahre verbindet sich mit dem Kino eine ästhetische Utopie. Diese Utopie zielt auf die Erwartung, das Kino vermöge zu leisten, was man von den bestehenden politischen Institutionen nicht erhoffen kann: nämlich die konkreten Lebensbedingungen als sinnlich-anschauliche Verhältnisse auf den Erfahrungshorizont der einzelnen Individuen beziehen. Das meint nicht etwa den Versuch, mit Hilfe des Films abstrakte Macht-, Abhängigkeits- und Hierarchieverhältnisse, die sich der politischen Analyse verdanken, anschaulich darzustellen. Vielmehr kommt hier ein grundlegend anderes Verständnis von Politik zum Ausdruck, das das Kino als einen Erfahrungsraum konzipiert, in dem für die einzelnen Individuen ein lebensweltlicher Zusammenhang zugänglich wird, der ihrem Alltagsbewußtsein verwehrt bleibt. Film erscheint als Möglichkeit, die gesellschaftlichen, historischen und medialen Bedingungen, die den Raum alltäglicher Wahrnehmung und damit die sinnliche Erfahrbarkeit der Welt festlegen, selbst noch sinnlich greifbar, anschaulich, evident zu machen.

Matrix der Gefühle. Das Kino, das Melodrama und das Theater der Empfindsamkeit.
Verlag Vorwerk 8, Berlin 2004

Im Zentrum dieser kulturgeschichtlichen Untersuchung steht das Film-Melodram. Leitfigur ist die Tränenseligkeit, das >sentimentale Genießen< im dunklen Raum des Kinos. Anders als die gängige Vorstellung versteht diese Studie das sentimentale Genießen jedoch nicht als Niederung eines höheren ästhetischen Gefühls, sondern als Zentrum einer kulturellen Praxis: nämlich der ästhetischen Einübung der Verinnerlichung.
In direkter Linie wird das moderne Film-Melodram - bis heute das Grundmuster der meisten erfolgreichen Hollywood-Produktionen - aus der Gründerzeit der bürgerlichen Seele entwickelt: aus dem Theater der Empfindsamkeit des 18. Jahrhunderts.

Der möblierte Mensch.
Georg Wilhelm Pabst und die Utopie der Sachlichkeit.
Verlag Vorwerk 8, Berlin 1995

"Die kinematographische Form in der Deutung hervortreten zu lassen, in der Interpretation das Medium ihrer Darstellung zu entfalten, das ist der Versuch analytischer Bildbeschreibung, den diese Arbeit unternimmt. Er ist nicht ohne ein zweites zu denken: deren theoretische Reflexion in einem poetologischen Begriffsfeld, das gleichermaßen historisch und systematisch ausgerichtet ist. Die Filme von G. W. Pabst, changierend zwischen expressionistischen, realistischen, phantastischen und melodramatischen Stilelementen, durchmessen die ganze Spanne der Ausdrucksformen des Weimarer Kinos. Gerade deren Heterogenität, als ästhetische Form begriffen, eröffnet eine poetologische Perspektive, in der sich die stilgeschichtlichen Gegensätze des Weimarer Autorenkinos zum Ausdrucksensemble eines spezifischen ästhetischen Bewußtseins fügen: Eine Idee von Kunst, deren einzige Utopie sie sich selber ist." (aus dem Vorwort)

Text (pdf) zum Buch
▶ Kapitel C II: Der weite Himmel - Die Herrin von Atlantis